Wenn im Hochsommer das Thermometer im Gewächshaus auf 45 °C klettert, geraten nicht nur wir Gärtner ins Schwitzen – auch Gemüsesorten die normaler Weise mehr Hitze vertragen wie Tomaten, Gurken und Schnittblumen kämpfen mit der extremen Belastung.
Mit über 33 Jahren Erfahrung im Gärtnerberuf haben wir in unserer Mühlviertler Gärtnerei schon einige Hitzewellen erlebt. Die gute Nachricht: Mit ein paar einfachen Kniffen und traditionellen Gärtnertricks lässt sich das Glashaus spürbar abkühlen, Wasser sparen und der Ernteertrag bis in den Herbst sichern.
Hier sind unsere besten Praxistipps für den Hochsommer im Gewächshaus und Garten.

1. Der Sumpfkalk-Trick: Glashaus kühlen um bis zu 6 °C
In modernen Großgewächshäusern fahren bei zu hoher Sonneneinstrahlung automatisch Schattierungsnetze aus. Im Hausgarten oder älteren Glashäusern fehlt diese Technik oft – oder die alten Anlagen sind defekt.
Ein extrem günstiges und effektives Mittel dagegen ist gewöhnlicher Sumpfkalk:
- Die Anwendung: Verdünne den Sumpfkalk mit Wasser in einer Sprühflasche oder rühre ihn in einem Eimer cremig an, sodass er sich mit einer Bürste oder einem Quast leicht streichen lässt. Trage ihn direkt von außen auf die Dach- und Sonnenseiten-Scheiben auf.
- Der Effekt: Beim Trocknen bildet sich eine weiße Kalkschicht. Sie wirkt wie ein riesiger UV-Filter und Sonnenschutz. Dadurch senkst du die Innentemperatur sofort um 5 bis 6 °C.
- Praktisch: Der Kalk hält zuverlässig bis zum nächsten stärkeren Regen und wäscht sich später im Herbst von selbst wieder ab.
2. Belüftung: Hitzestau mit Querlüftung brechen
Hitze allein ist oft gar nicht das größte Problem – stehende, stickige Luft ist es.
- Dachklappen ganz auf: Die heißeste Luft sammelt sich oben unter dem First. Die Firstlüftung muss bei Sommerhitze dauerhaft voll geöffnet sein.
- Durchzug schaffen: Öffne Türen und – falls vorhanden – Seitenklappen, damit ein ständiger, leichter Luftzug entsteht. Der Wind kühlt die Blattflächen ab und senkt das Risiko von Pilzkrankheiten.
3. Richtig Gießen: Warum Tomaten anfangs „hungern“ müssen
Ein häufiger Pflegefehler: Aus Angst vor der Hitze wird permanent oberflächlich gegossen. Das schadet vor allem den Tomaten.
- Tiefenwurzeln fördern: Wer Tomaten im Frühjahr und Frühsommer eher trocken hält („hungern lässt“), zwingt die Pflanze dazu, ihre Wurzeln tief ins Erdreich zu graben. Mit einem großen Wurzelvolumen überstehen sie spätere Hitzewellen fast mühelos – bei uns reicht dann oft ein- bis zweimal Gießen pro Woche.
- Niemals über die Blätter: Immer direkt am Wurzelhals wässern, um Verbrennungen und Krautfäule zu vermeiden.
- Tageszeit: Am besten früh morgens oder spät abends gießen, wenn Boden und Luft abgekühlt sind. Tagsüber verdunstet zu viel Wasser ungenutzt an der Oberfläche.
- Tipp – Mulchfolie oder Mulchschicht: Eine dunkle Bodenfolie oder eine dicke Mulchschicht verhindert lästiges Unkraut (welches den Nutzpflanzen Wasser und Nährstoffe raubt) und bremst die Verdunstung aus dem Boden massiv aus.
4. Spinnmilben & Weiße Fliegen biologisch stoppen
Trockene Hitze ist leider das ideale Wohlfühlklima für Schädlinge wie Spinnmilben und Weiße Fliegen.
- Natürlich behandeln: Bevor zur chemischen Keule gegriffen wird, setzen wir auf Neemöl. Diese natürlichen Mittel schwächen den Schädlingsdruck merklich ein.
- Robuste Sorten wählen: Vor allem alte Sorten und Wildformen (wie robuste Landsorten bei Gurken) zeigen sich gegenüber Schädlingen und Hitzestress oft deutlich widerstandsfähiger als empfindliche Neuzüchtungen.
- Staffelanbau bei Gurken: Setze Gurken in zwei bis drei zeitversetzten Sätzen. Wenn der erste Satz im Hochsommer von Spinnmilben erschöpft ist, räumst du ihn ab und erntest nahtlos von den nachgesetzten Spätsätzen bis in den Herbst.

5. Aussaat im August: Die 25-°C-Keimregel beachten
Der August ist keineswegs das Ende des Gartenjahres – jetzt startet die Aussaat für die Herbst- und Winterernte!
| Geeignet für den August-Anbau | Keim-Besonderheit |
| Zuckerhut & Endivien | Keimhemmung bei > 25 °C! |
| Roter Kopfsalat | Kühle Keimphase bevorzugt |
| Chinakohl & Winterkohlsorten | Zügiges Wachstum bei mäßiger Wärme |
| Radieschen & Spinat | Ideal ab Mitte/Ende August |
Wichtiger Profi-Tipp zur Keimung:
Viele Herbstsalate und Zichorienarten (wie Zuckerhut oder Endivie) verweigern bei Bodentemperaturen über 25 °C schlichtweg die Keimung.
Die Lösung: Stelle die Aussaatschalen zunächst an einen kühlen Ort im Haus (z. B. Keller oder kühler Vorraum). Erst wenn die Keimwurzel fest im Boden sitzt und sich das erste Grün zeigt, dürfen die Pflänzchen an die Wärme – dann halten sie auch 30 °C problemlos aus.
6. Stecklinge im Spätsommer vermehren
Der August eignet sich hervorragend, um Zier- und Kräuterpflanzen für die nächste Saison sortenecht und kostenlos zu vermehren.
- Kräuter & Stauden: Rosmarin, Indianernessel (Monarda) oder auch Halbsträucher lassen sich jetzt ideal über Kopfstecklinge vermehren.
- Luftfeuchte sichern: Stecklinge haben noch keine Wurzeln und verdunsten über die Blätter viel Wasser. Eine Sprühnebelanlage im Glashaus oder eine simple Folienhaube über den Anzuchttöpfen sorgt für die nötige, tropische Luftfeuchtigkeit, bis sich die ersten feinen Wurzeln gebildet haben.
7. Wasserspeicher-Geheimtipp: Hydrogel auf Lignin-Basis
Für Kübel-, Topf- und Balkonpflanzen, die bei Hitze extrem schnell austrocknen (wie frisch getopfte Stiefmütterchen oder Chilis), nutzen wir biologisches Granulat auf Lignin-Basis.
Lignin ist ein natürliches Nebenprodukt der Holz- und Papierverarbeitung. In Wasser vorgequollen und unter die Pflanzerde gemischt, speichert es ein Vielfaches seines Volumens an Wasser und gibt es über 2 bis 3 Wochen bedarfsgerecht an die Wurzeln ab. Das reduziert den Gießaufwand im Hochsommer dramatisch.
Fazit & Deine Erfahrungen
Mit ein paar gezielten Handgriffen lässt sich der Hochsommer im Glashaus erfolgreich meistern. Nutze Schatten und Verdunstungskälte, lüfte konsequent und nutze die kühlen Morgenstunden für die Gartenarbeit.
Wie schützt du dein Gewächshaus vor extremer Hitze? Hast du schon einmal Sumpfkalk ausprobiert?
Schreib uns deine Tipps und Fragen gerne unten in die Kommentare – wir freuen uns auf den Austausch!

