Zehn Gemüseklassiker aus der neuen Welt

Christoph Kolumbus

Bis ins späte Mittelalter haben Europäer/innen sich vor allem von Getreide, Fisch, Milchprodukten und Fleisch (vor allem für Adelige und Bürger) ernährt. Bis ins 18. Jahrhundert war der Pastinak als robuste Pflanze und wegen seines hohen Stärkegehalts in Europa eines der wichtigsten Grundnahrungsmittel und wurde dann vor allem in Mitteleuropa von der Kartoffel abgelöst. Auch die Ackerbohne war im Mittelalter, damals meist nur Bone genannt, eines der wichtigsten Nahrungsmittel, nicht zuletzt wegen der hohen Erträge. Nachdem jedoch die (verschiedenen Arten der) Gartenbohne aus Amerika eingeführt wurden, werden die früher in Europa viel gegessenen Acker- und Kuhbohnen in der Neuzeit beinahe nur noch als Viehfutter genutzt.

Christoph Kolumbus – Einer der ersten

Gemüseimporteure


Damit haben wir bereits zwei Pflanzen genannt, die nach der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus in Europa Verbreitung gefunden haben, nämlich die Kartoffel und die Gartenbohne. Außer diesen beiden Pflanzen gibt es noch viele andere, heute in Europa weitverbreitete Nutzpflanzen, die hier davor unbekannt waren. Viele der heute in Europa gebräuchliche Nutzpflanzen kommen in der obigen Aufzählung, was hier im Mittelalter gegessen wurde, nicht vor, wie der Mais (Guguruz), Kartoffel, Tomaten (Paradeiser), Chilischoten (die später zu Paprikas weitergezüchtet wurden), Sonnenblumen, Erdnüsse, Kürbisse (und die daraus gezüchteten Zucchini), Topinambur (Süsskartoffel) oder die Gartenerdbeere – die „Amerikanische Heidelbeere“ (Vaccinium corymbosum)– engl. auch huckleberry genannt – nicht zu vergessen.


1. Mais/Kukuruz

Mexikanischer Urmais
Mexikanischer Urmais

(Guguruz oder auch Kukuruz, wie die Pflanze in Österreich und mehreren slawischen Sprachen genannt wird) war und ist ein Grundnahrungsmittel der Völker Mittelamerikas, also u. a. der Azteken. Diese Menschen nannten sich in ihrer eigenen Sprache nicht umsonst „Kinder des Mais“. Heute wird in den Kulturen Mittelamerikas immer noch viel „Tortilla“, ein aus Maismehl gebackenes Fladenbrot gegessen, ungefähr so, wie wir hier in Europa Brot verwenden. Heutzutage wird Mais in Europa vor allem als Tierfutter und daneben in den USA unter dem Namen „Corn“ als Nutzpflanze angebaut. Das Maismehl aus „Corn“ ist in unglaublich vielen Nahrungsmitteln und Snacks zu finden. Jährlich wird weltweit auch mehr Mais angebaut und geerntet als Reis oder Weizen. Nicht immer zum Vorteil für die Umwelt.

2. Kartoffel – Erdäpfel

Junge Kartoffelpflanze
Junge Kartoffelpflanze

Die Kartoffel stellt heute ein Hauptnahrungsmittel in Europa dar. Diese Knolle hat geholfen, viele Hungersnöte zu verhindern. Die Kartoffel, oder wie man in Österreich sagt „der Erdapfel“ stammt ursprünglich aus den Anden, dem höchsten Gebirge Südamerikas. Die Spanier, die Süd- und Mittelamerika kolonialisierten, nahmen die Frucht mit nach Europa, wo sie zuerst in Spanien heimisch wurde und sich dann über Italien langsam im Rest Europas ausbreitete. Mit Kartoffeln ist ein hoher Ernteertrag zu erzielen, sie sind aber auch empfindlich gegenüber Schädlingen und Pflanzenkrankheiten wie dem gefürchteten Kartoffelkäfer.

So kam es nach der Einführung der Kartoffel in Europa doch noch zu großen Hungersnöten, z. B. in Irland, wo 1845 eine neuartige
Kartoffelkrankheit, die Kartoffelfäule, die Ernte von den in Irland angebauten und für diese Krankheit anfälligen Kartoffelrassen fast vollständig vernichtete.

3. Topinambur

Topinamburknolle
Topinamburknolle

Topinambur (auch Erdbirne oder Süsskartoffel) stammt aus Nord- und Mittelamerika, ist also eine Pflanze, die im Gegensatz zu den meisten hier genannten Pflanzen nicht aus Süd-/Mittelamerika stammt. Obwohl die Pflanze auch „Süsskartoffel“ genannt wird, gehört sie – wie die Sonnenblume – zur Familie der Korbblütler, also nicht zu den Nachtschattengewächsen, zu denen die Kartoffeln und Tomaten gehören.

Die Pflanze ist anspruchslos und stellt wenig Anforderungen an den Standort, wodurch auch nährstoffarme Böden zum Anbau verwendet werden können. Die Pflanze verträgt (Frühlings-)Frost sehr gut und gedeiht auch im Halbschatten. Das Problem kann sogar sein, dass die Pflanze so sehr wuchert, dass sie andere Pflanzen verdrängt. Trotzdem hat sich im Speiseplan und im Anbau in der Landwirtschaft Europas die Kartoffel durchgesetzt, da diese ergiebiger ist.

4. Tomaten (Paradeiser)

Tomaten vor der Ernte
Tomaten vor der Ernte

Im Gegensatz zur naheliegenden Annahme, stammt die Tomate nicht aus dem Mittelmeerraum, auch wenn die Italiener ganz verrückt auf ihre Pomodori sind und alles Mögliche damit kochen, sondern ursprünglich aus Mittel- und Südamerika. Die Tomate ist, wie die Kartoffel, ein
Nachtschattengewächs – darum sollten Tomaten und Kartoffeln auch niemals hintereinander im selben Beet oder am selben Feld angebaut werden. Tomaten/Paradeiser mögen Wasser (z. B. Regen) auf der Pflanze selbst nicht so gerne und können daher am besten unter einem Dach oder
Regenschutz angebaut werden und mit einer Gießkanne an den Wurzeln bewässert werden. Tomaten enthalten verhältnismäßig viel Kalium und sind für Personen mit Kaliummangel sehr hilfreich.

5. Kürbiss/Zucchini

Kürbisernte
Kürbisernte


Kürbisse werden bereits seit etwa 8.000 bis 10.000 v. C. gezüchtet und angebaut, wobei in Süd-, Mittel- und Nordamerika verschiedene Sorten – die
besser an die jeweiligen Umgebungsumstände angepasst waren – verwendet wurden. Nach der Einführung in Europa wurden die Kürbisse zunächst nur in warmen Gebieten angebaut, da alle Kürbisarten frostempfindlich sind.

Zucchini wurden wahrscheinlich erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Norditalien als eigene Sorte aus den Kürbissen gezüchtet. In den Vereinigten Staaten, wo Kürbisse ursprünglich kultiviert wurden, sind Kürbisgerichte weiter verbreitet als bei uns (z. B. der typische Pumpkin Pie), auch wenn diese Gerichte in Europa langsam immer bekannter werden.

6. Chili und Paprika

Chili und Paprika
Chili und Paprika

Chilischoten (und die daraus gezüchteten Paprika) gehören, wie die Kartoffel und die Tomaten, zu den Nachtschattengewächsen. Ursprünglich kamen die Chilischoten in Südamerika als scharfe Nahrungsmittel vor. (Wir kennen nicht umsonst das Gericht „Chili con Carne“, also „(scharfe)
Chilischoten mit Fleisch“ oder den Ausdruck „Spanischer Pfeffer“, was auch ein Hinweis darauf ist, dass diese Pflanze über die spanischen Eroberer aus Amerika zu uns gekommen ist.)

Wahrscheinlich haben die verschiedenen Chili-Arten sich von den Hängen der Anden in Bolivien in die Amazonasregion und nach Zentral- und Nordost-Mexiko ausgebreitet. Chilischoten (hierzu gehören die Pfefferoni, Peperoni oder Peperoncini) sind zwar scharf, aber als Pflanzenart etwas ganz anderes als Pfeffer. Deshalb konnten aus diesen Pflanzen später auch die milderen Paprika gezüchtet werden, die heute in Europa (und insbesondere in Ungarn) viel gegessen werden.

7. Gartenbohnen/Fisolen

Bohnen zur Erntezeit
Bohnen zur Erntezeit


Gartenbohnen (Phaseolus vulgaris, auch Fisole genannt), spielen in Mittel- und Südamerika eine wichtige Rolle in der Nahrung, da sie sehr eiweißreich sind. Wir denken schließlich alle an ein Gericht mit Bohnen, wenn wir „Chili con Carne“ hören, auch wenn im Namen des Gerichts , wie oben beschrieben „Bohnen“ gar nicht vorkommt. Auch in alten Western-Filmen mit Clint Eastwood oder Bud Spencer Spagetthi gibt es immer wieder Szenen in denen ein herzhaftes Gericht mit Bohnen und Speck zubereitet oder serviert wird, wie hier in dieser lustigen Szene aus 4 Fäuste für ein Halleluja.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Auch die Limabohne (Phaseolus lunatus), manchmal auch Mondbohne genannt, stammt, wie der Name schon vermuten lässt, wie die Kidneybohne, aus Südamerika. Wie im ersten Absatz bereits beschrieben ist, gab es in Europa zwar Bohnenarten (wie die Acker- oder die Saubohne), aber diese enthalten viel weniger Eiweiß als die Gartenbohnen. (Die Sojabohne kommt überhaupt, auch wenn sie jetzt im großen Umfang in Südamerika angebaut wird, ursprünglich aus Japan, Korea und China.).

8. Erdnüsse

Auch Erdnüsse stammen ursprünglich aus den Anden Südamerikas. Da die Spanier diese Früchte (eigentlich sind es ja keine Nüsse sondern gehören sie zur Familie der Hülsenfrüchte) aus Südamerika nach Europa gebracht haben, heißen sie in der Schweiz auch „Spanischs Nüssli“. In Mitteleuropa ist der Anbau und Verzehr von Erdnüssen viel weniger verbreitet wie in den Vereinigten Staaten, England oder den Niederlanden, wo Erdnüsse, z. B. als Peanut Butter, einen essentiellen Teil des Speiseplans ausmachen. Hauptsächlich werden Erdnüsse jedoch für die Speisölproduktion angebaut und in der chinesischen und asiatischen Küche verwendet.

9. Wilde Sonnenblume

Wilde Sonnenblume, Arizona
Wilde Sonnenblume, Arizona

Die wilde Sonnenblume war ursprünglich von Nordamerika (etwa in der Mississippi-Region) bis Mittelamerika verbreitet. Sonnenblumen werden weltweit hauptsächlich für die Speiseöl-Produktion angebaut. (Nach Sojabohnen und Raps nehmen Sonnenblumenfelder die drittgrößte Anbaufläche aller Nutzpflanzen für die Speiseölproduktion ein).

10. Kulturheidelbeeren und die „Amerikanische Heidelbeere“ (Vaccinium corymbosum)

Kulturheidelbeeren
Kulturheidelbeeren

Die heute viel in Europa angebauten und gezüchteten Kulturheidelbeer-Sträucher stammen nicht von den ursprünglich in Europa heimischen Heidel-, Blau- oder Waldheidelbeere (Vaccinium myrtillus) ab, sondern von der ursprünglich aus Nordamerika stammenden „Amerikanische Heidelbeere“ (Vaccinium corymbosum) ab. An der „Amerikanischen Heidelbeere“ (Vaccinium corymbosum) wachsen Beeren, die wie einheimische Heidelbeeren aussehen und schmecken, aber im Gegensatz zu den kleinen Pflanzen der einheimischen Heidelbeere, ist die Amerikanische Heidelbeere ein großer, 1 bis 4 Meter hoher Strauch.

11. Zuckerahorn

Obwohl es nicht wirklich zu den Kulturpflanzen gehört, wollen wir den Zuckerahorn, also Ahornbäume nicht unerwähnt lassen. Die Kanadier verwenden Ahornsirup so regelmäßig, dass sie das Ahornblatt sogar in der Nationalflagge verewigt haben. Es gibt zwar in Europa auch natürliche vorkommende Ahornarten aber aus diesen konnte kein Zucker oder Sirup gewonnen werden. Vor der Zuckerrübe war der Zuckerahorn in Nordamerika und Kanada eine wichtige Quelle für die Zuckergewinnung. In der Zwischenzeit können wir hier in jedem Supermarkt auch Ahornsirup kaufen und wird der Zuckerahorn-Baum hier auch als Zierbaum angepflanzt.

Wenn Sie beim Lesen dieses Artikels Lust bekommen haben, in die Vereinigten Staaten, wo eine Reihe dieser Pflanzen bereits vor der Ankunft der Europäer angebaut wurden, zu reisen, vergessen Sie dann nicht, vor der Abreise ein ESTA oder Visum USA zu beantragen.

Hinweis:

Nicht alles auf dieser Seite wird direkt von uns geschrieben. Leider fehlen uns dazu bei all den Aufgaben im Glashaus und dem Betreiben der Garteln-Plattformen wie Videoproduktion, Fotografie  und technische Weiterentwicklung die zeitlichen Ressourcen.  Manchmal helfen Freunde und Verwandte aus und manchmal arbeiten wir mit externen Partner zusammen. Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit Electronic Visa Solutions entstanden. Wir bedanken uns an dieser Stelle auch bei den diesen Inhalt.