Veredeln von Gemüse

Bekannt ist das Veredeln von Obstgehölzen, Ziersträuchern und Rosen. Die wenigsten Hobbygärtner kennen jedoch veredelte Gemüsepflanzen, die viele Vorteile gegenüber „normalen“ Gemüsepflanzen haben. Immer öfter werden in Gartencentern, Gärtnereien und auf Märkten solche veredelte Pflanzen angeboten, allerdings zu entsprechend hohen Preisen. Warum also das Veredeln dieser Gemüsepflanzen nicht selbst einmal versuchen? Doch nicht alle eignen sich dafür. Was ist veredeln, was sind die Vorteile, welche Pflanzen können veredelt werden und wie geht man dabei vor?

Was ist veredeln?

Beim Veredeln von Gemüsepflanzen wird ein sogenanntes Edelreis auf eine robuste Wurzelunterlage aufgesetzt. Dieses Edelreis verfügt über besonders ideale Eigenschaften wie etwa: sehr ertragreich, aromatischer Geschmack und widerstandsfähig gegen Blattkrankheiten. Der untere Wurzelteil dagegen ist für Wurzel- und Bodenkrankheiten sowie für Bodenschädlinge wenig anfällig. Diese beiden wachsen zu einer fruchtbaren und widerstandsfähigen Gemüsepflanze zusammen. Dabei muss beachtet werden, dass eine Pflanzenverwandtschaft besteht. Das bedeutet: Nachtschattengewächse wie Tomaten, Auberginen und Paprikaarten können miteinander veredelt werden, Gurken und Melonen dagegen nur mit Kürbisgewächsen.

Videotipp Gemüse veredeln

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https://www.youtube.com/watch?v=Fq1eRau9k3c

Die Vorteile von veredelten Gemüsepflanzen

  • Die Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten und Schädlinge ist größer
  • Der Ertrag ist meistens höher und die Früchte sind im Geschmack aromatischer
  • Wärmeliebende Tomaten, Gurken, Auberginen und Paprika können dadurch weniger empfindlich gegen Kälte, Wind und Regen sein
  • Damit der Ertrag auf einer kleinen Fläche ergiebiger ist, eignen sich veredelte Gemüsepflanzen besonders für kleine Gärten, Balkon und Terrasse
  • Insgesamt also punkten veredelte Gemüsepflanzen durch eine gute Gesundheit und kräftigen Wuchs auch bei erschwerten Bedingungen

Bei welchen Gemüsepflanzen lohnt sich eine Veredelung?

Am häufigsten werden wärmeliebende Gemüsepflanzen veredelt, da diese im Garten dann für einen sicheren Ertrag sorgen. Dazu zählen:

Was ist bei der Veredelung zu beachten?

Zum Veredeln können herkömmliche Sorten mit guten Eigenschaften gekauft oder selbst gezogen werden. Zieht man die Pflanzen selbst, müssen die Aussaattermine, Keimdauer und die Wachstumszeit aufeinander abgestimmt werden, da die Unterlage und das Edelreis beim Veredeln etwa die gleiche Stängelstärke haben sollten. Da Keimung und Wachstum jedoch oft unterschiedlich dauern, muss eventuell zeitversetzt ausgesät werden. Sobald nach den Keimblättern das erste richtige Laubblatt erscheint, kann der Veredelungsvorgang starten. Wichtig ist dafür ein sauberes, scharfes Messer.
Einige Online-Samenhändler und manche Gärtnereien bieten auch komplette Veredelungs-Sets mit Samen und Stabilisierungsstäbchen sowie einer genauen Anleitung an.

Wie werden die Gemüsepflanzen richtig veredelt?

Es gibt zwei Arten beim Veredeln: die Kopfveredelung und die Gegenschnitt-Veredelung. Erstere wird meistens bei Tomaten, Auberginen und allen Paprikaarten angewandt. Gurken, Melonen und Kürbisse dagegen werden im Gegenschnittverfahren veredelt.

Die Kopfveredelung

Die Stängel von Unterlage und Edelreis müssen gleich dick sein. Mit einem scharfen, sauberen Messer werden die ausgewählten Gemüsepflanzen an den jeweiligen Stellen abgeschnitten. Dabei die Stängel nicht quetschen! Der Schnitt bei der Unterlage wird unterhalb der Keimblätter angesetzt, da in deren Blattachseln Knospen sitzen, die neu austreiben können. Das Edelreis dagegen wird oberhalb der Keimblätter abgeschnitten. Dabei darauf achten, dass der Trieb die gleiche Dicke wie die Unterlage hat. Die Stängel müssen mit der Schnittfläche genau aufeinander passen und ganzflächig Kontakt haben. Mit einer speziellen Klammer wird diese Stelle verbunden. Als Stütze dient ein Stab. Die Pflanze gießen und danach in ein Kleingewächshaus oder unter eine größere Plastiktüte stellen. Darin herrscht die benötigte hohe Luftfeuchtigkeit, sodass sie nicht welken kann. Direkte Sonne ist jedoch zu vermeiden! Nach etwa zehn Tagen sind die Veredelungsstellen miteinander verwachsen. Nun kann die Pflanze normal weiter kultiviert bzw. auch schon ausgepflanzt werden.

Werden Gurken durch die Kopfveredelung veredelt, verwendet man den resistenten und kältetoleranten Feigenblattkürbis als Unterlage. Sobald bei dem Gurkenkeimling das erste Laubblatt etwa drei Zentimeter groß und der Trieb stabil und nicht zu dünn ist, kann veredelt werden.

Die Gegenschnitt-Veredelung

Für Gurken wird auch hier meistens der Feigenblattkürbis verwendet. Es eignen sich aber auch andere Kürbisarten. Bei dieser Veredelungsart — in der Regel mit Gurken — werden Unterlagspflanze und Edelreispflanze normal ausgesät. Haben die Keimlinge dann die richtige Größe und das erste Laubblatt, setzt man beide vorsichtig und eng zusammen in einen 12er-Topf. Die Wurzeln dürfen dabei nicht beschädigt werden!

Das Veredeln geschieht folgendermaßen: Auf der Seite zur Gurke hin schneidet man den Stängel der Unterlage schräg bis zur Hälfte von oben nach unten ein. Auf gleicher Höhe wird die Gurke zur Unterlage hin, ebenfalls schräg, von unten nach oben eingeschnitten. Danach schiebt man die Schnittflächen übereinander und fixiert sie mit Klammern. Ein Stützstab entlastet die Stelle und verhindert das Umknicken. Die veredelte Gemüsepflanze wird danach angegossen und in ein Kleingewächshaus oder unter eine größere Plastiktüte gestellt. Vor direkter Sonne schützen!

Bis die beiden Pflanzen miteinander verwachsen sind, dauert es etwa zehn Tage. Danach wird die Verbindung gekappt. Dazu wird der Stängel des Edelreises unterhalb der Veredelungsstelle sauber abgeschnitten, der Unterlagentrieb wird über der Veredelungsstelle abgeschnitten. Anschließend kann man die Pflanze normal weiter kultivieren bzw. auch schon ins Freie oder in das Gewächshaus auspflanzen.

Hinweis zu diesem Artikel:

Nicht alles auf dieser Seite wird direkt von uns geschrieben. Leider fehlen uns dazu bei all den Aufgaben im Glashaus und dem Betreiben der Garteln-Plattformen wie Videoproduktion, Fotografie  und technische Weiterentwicklung die zeitlichen Ressourcen.  Manchmal helfen Freunde und Verwandte aus und manchmal greifen wir auf externe Partner und Experten  zurück. Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit der Autorin „hortensie“ von der Plattform „textbroker“ entstanden. Wir bedanken uns an dieser Stelle auch bei ihr für diesen tollen Inhalt.

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